Potenziale digitalisierter Produktionsprozesse

HOLM: Industrie 4.0-Labor an der Frankfurt University of Applied Sciences

Bei der Entwicklung einer Anwendung zur Visualisierung vernetzter Prozesse in der Industrie 4.0 arbeiten die Frankfurt University of Applied Sciences und die Experten von SALT Solutions eng zusammen. Ziel ist es, die Anwendung in der Lehre ebenso einzusetzen wie in der Industrie, um betriebswirtschaftliche Aspekte der Integration technischer Komponenten zu verdeutlichen. Prof. Dr. Kai-Oliver Schocke, Professor für Logistik und Produktionsmanagement sowie Geschäftsführender Direktor des Zentrums für Logistik, Mobilität und Nachhaltigkeit (ZLMN), stellt die bisherigen Ergebnisse und den Nutzen für fertigende Unternehmen vor.

Industrie 4.0 ist in aller Munde – die Vernetzung von Maschinen sowie der Informationsaustausch zwischen den Maschinen ist eines der Schlüsselthemen der Bundesregierung und wird unter den Begriffen Industrie 4.0, der vierten industriellen Revolution oder cyber-physikalischen Systemen und smart factory zusammengefasst. Industrie 4.0 und die Digitalisierung sind maßgebliche Zukunftsprojekte der Bundesregierung. Die mit der Industrie 4.0 verknüpften Wachstumseffekte schwanken zwischen 20 Milliarden Euro und 153,5 Milliarden Euro in den kommenden Jahren.

Vernetzte Prozesse

Das enorme Potenzial dieses Ansatzes wird branchenübergreifend anerkannt: 90 Prozent der Unternehmen betrachten die Digitalisierung als Differenzierungsmerkmal. Dennoch lässt die Verbreitung sehr zu wünschen übrig. Obwohl Industrie 4.0 ein Schlüssel zur Sicherung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit ist, sind weite Teile der Unternehmen noch nicht bereit.

Laut IKT-Report des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung GmbH (ZEW) haben 82 Prozent der Unternehmen keine Industrie 4.0-Kenntnisse. Darüber hinaus mangelt es an Anwendungen, die den Zusammenhang und die Vorteile einer digitalen Vernetzung greifbar machen.

House of Logistics and Mobility

Im Rahmen der Zusammenarbeit zwischen der Frankfurt University of Applied Sciences und den Experten von SALT Solutions werden ein einfacher Produktionsprozess digitalisiert und die Vorteile einer vernetzten Produktion greifbar gemacht. Dies erfolgt methodisch so, dass die Anwendung sowohl in Lehrveranstaltungen an Hochschulen als auch bei interessierten Unternehmen eingesetzt werden kann. Diese Anwendung wird als Teil des Industrie 4.0-Labors im weltweit einzigartigen House of Logistics and Mobility (HOLM) Herausforderungen der Industrie beleuchten.

In der Anlage lassen sich verschiedene Technologien und Anwendungen darstellen, um unter anderem Szenarien wie Losgröße 1, Kundenauftragsfertigung, 2D-Druck und Vernetzung zu visualisieren. Im Tracking & Tracing Theatre auf der LogiMAT zog ein ähnliches Szenario bereits große Aufmerksamkeit auf sich. Nach der Konfiguration eines individuellen Kaffeebechers, werden die notwendigen Informationen zur Produktionssteuerung in einem QR- oder Datamatrixcode gespeichert. Dieser Code dient in den folgenden Schritten als einziger Informationsträger: Alle Anlagen und Maschinen wissen durch das Lesen des Codes, was sie mit dem Werkstück auf dem Ladungsträger machen sollen.

Integration versus Vernetzung

Die technische Vernetzung von Komponenten in Produktion und Logistik wird seit Jahrzehnten umgesetzt. Vielen Unternehmen fehlt es jedoch an der Integration der technischen Komponenten in den betriebswirtschaftlichen Zusammenhang.

Daher haben die Projektpartner einen neuen Ansatz gewählt, der auf vier Grundpfeilern basiert:

  • ein didaktisches Konzept entwickeln
  • dieses Konzept umsetzen
  • ein fertiges Labor anwendungsorientiert darstellen
  • eine SAP-Fallstudie aufbauen

Durch die Zusammenarbeit einer anwendungsorientierten Hochschule mit einem erfahrenen Anbieter von Software-Lösungen entsteht ein hoher Innovationsgrad: Im Ergebnis steht eine einfach zu erfassende, kostengünstige und jederzeit erweiterbare Fallstudie, die sich beliebig duplizieren lässt. Im Fokus steht ein anwendungsorientierter Ansatz, um ein realistisches Abbild einer vernetzten Fabrik zu entwerfen.

Copyright Titelbild: © vetorfusionart / Fotolia

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